Auferstehung «allein Sache des Glaubens»?

Der Lausanner Theologe Daniel Marguerat versteht sich auch als Historiker und sieht sich als solcher «nicht an jene christologischen Formeln gebunden, die erarbeitet wurden, um die Figur Jesus zu deuten». Seine Analyse endet auf Golgatha: «Das Leben von Jesus endet am Kreuz, seine Auferstehung entzieht sich der Geschichte und ist allein Sache des Glaubens.»

Die Osterberichte wurzeln laut Marguerat in Visionen; «wenn das Grab wundersamerweise offen war, dann bedeutet das, dass Gott am Werk war, um die Erinnerung an Jesus wiederherzustellen». Und: «Die Ostererzählungen dienen dazu, die in den ersten Gemeinden anerkannten Autoritäten zu legitimieren.» – Warum wurden dann Frauen als erste Zeuginnen der Auferstehung genannt? Sie waren damals vor Gericht nicht als Zeuginnen anerkannt.

Bezeichnenderweise gehört das gewundene Auferstehungskapitel von Marguerats Buch – am Ende schreibt er von «visionäre Erfahrung, durch die die Transzendenz in die Geschichte einbricht» – zum dritten Buchteil «Jesus nach Jesus». In ihm beleuchtet Marguerat auf je 20 Seiten apokryphe und jüdische Jesus-Darstellungen. Jesus werde im Talmud selten erwähnt, als Schüler eines Rabbi – und als fehlgeleiteter Rabbi gesehen.

«Über die Jahrhunderte hinweg haben sich christliche und jüdische Identitäten mehr als sie dachten in einer Mischung aus Antagonismus und wechselseitiger Abhängigkeit entwickelt.» Marguerat sieht heute ein Tauwetter: «das Aufgeben von festgefahrenen Positionen von Juden und Christen mit dem Ziel, einen nicht ideologisch verfestigten Dialog zu eröffnen.»

«Was bleibt vom Nazarener im Prisma von drei Religionen, die einander ausschliessen?» fragt Marguerat am Ende des Schlusskapitels über das Jesusbild des Islam. Jesus sei das gemeinsame Gut der drei Monotheismen; es gelte, «diese Figur zu teilen» im interreligiösen Dialog. Jesus selbst bleibe – «unfassbar».

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