«Neue Formen von Kirche»

Die Zürcher Kirchensynode hat am 22. November das Innovationskonzept des Kirchenrats zur Kenntnis genommen und für die Förderung neuer Formen von Kirche einen Fünf-Millionen-Rahmenkredit bewilligt.

Das Innovationskonzept zielt auf zwei Dutzend Projekte bis 2030. Es definiert die in der Kirche gewünschte Innovation und nennt Kriterien für ihre Förderung. Kirchgemeinden wie auch als Verein organisierte neue Gruppen sollen Beiträge aus dem Innovationskredit beantragen können.

Philipp Nussbaumer, Sprecher der vorberatenden Kommission, sagte, mit dem Konzept signalisiere die Landeskirche, «dass sie ein Zusammenspiel von territorial und lebensweltlich orientierter Vielfalt und Innovation will, ohne dabei das eine gegen das andere auszuspielen».

In der Kommission sei die schwache theologische Begründung kritisiert und die Befürchtung geäussert worden, dass das umfangreiche und komplexe Konzept zusammen mit den Beilagen viele überfordern werde, wodurch Innovation «bereits im Keim erstickt würde». Man habe sich auch gefragt, ob hier «Innovation» zu einseitig und eng definiert sei, sagte Nussbaumer. «Auch alte Ideen können zum Beispiel wiederentdeckt werden und heute neue Kraft entfalten.»

Laut Nussbaumer werden neue Wege gesucht, «die Menschen zu erreichen, die in eine grössere Distanz zur Kirche geraten sind oder noch gar keinen Kontakt zur Kirche hatten. Dort wird das grösste Potenzial für Wachstum gesehen.»

Der zuständige Kirchenrat Andrea Marco Bianca formulierte den Ansatz der federführenden Abteilung der Gesamtkirchlichen Dienste: «Die Menschen in ihren Lebenswelten, so wie sie eben sind, werden zu einem Kriterium, ob es wirklich Innovation ist oder nicht.» Die grosse Mehrheit der kirchlich nicht aktiven Mitglieder gerate nun in den Fokus.

Bernhard Neyer, der vor Jahren einen Vorstoss für neue Formen von Kirche lanciert hatte, forderte zur wirksamen Förderung von Projekten, dass nicht die Initianten Berichte und Nachweise vorlegen müssen, sondern die Verantwortlichen der Gemeinde bzw. der Gesamtkirchlichen Dienste sich um die erforderlichen Informationen kümmern. Durch den vorgesehenen langen Instanzenweg würden «zarten Projektpflänzchen» «Unmengen an Ressourcen und Kraft» abverlangt.

Annelies Hegnauer, Präsidentin der Stadtkirche Zürich, fragte, ob «Initiativen von Mitgliedern, Werken und Gemeinschaften ohne Zustimmung der lokalen Behörden, ohne die Einbindung von Pfarr- und Gemeindekonventen gestützt werden können. Kann und wird der Kirchenrat die Exekutive und die Konvente übersteuern? Wie kann gewährleistet werden, dass Angebote in den Gesamtkontext der Kirchgemeinde eingebaut werden und dass keine Doppelspurigkeiten oder Konkurrenzsituationen entstehen?»

Die Synodalen sagten nach einer Stunde in der Schlussabstimmung klar Ja zu Innovationskonzept und Rahmenkredit (94 Ja, 4 Nein, 6 Enthaltungen).

Ausführlicher Bericht von der Zürcher Herbstsynode