Jesus macht Weltgeschichte

«Am Anfang ist die Sehnsucht. Nach dem Wahren, Guten, Schönen.» Mit den ersten Sätzen gibt Markus Spieker den weiten Horizont an, in den er Jesus stellt. Er will «die grösste Geschichte aller Zeiten» frisch erzählen. Zwölfmal zwölf Kapitel ergeben drei Teile: Schöpfer, Retter, Freund und Helfer.

Voran stellt der Autor Skizzen der heidnischen Antike mit ihrer in Skepsis und Verzweiflung endenden philosophischen Gottsuche. Dabei springt er von Gilgamesch über Echnaton in die Achsenzeit, zu Thales und Gyges und den grossen griechischen Denkern. Nach einem raschen Durchgang durchs Alte Testament wird die «Welt am Nullpunkt» geschildert, von der Pax Romana über römische Exzesse und bis zu den Grausamkeiten des Scheusals Nero. In diesen Kontext stellt Spieker die Geburt und Kindheit von Jesus.

Krone und Dornen: das Cover von Spiekers Buch

Der zweite, längere Hauptteil des Buchs bietet ein kantiges Portrait des Nazareners, dem der Autor Verehrung zollt. Dem Kapitel «Kinderfreund, Frauenversteher, Menschenliebhaber» gehen die Sätze voraus: «Wer Jesus kennenlernen will, muss bereit sein, mit ihm zu leben. Eine Begegnung aus der Distanz heraus ist nicht möglich» (290).

Auf seine Weise, im Dialog mit Grössen wie Jonathan Edwards und G.K. Chesterton, diskutiert Spieker weltgeschichtliche Perspektiven: «Warum fällt die Geburt des Christus ausgerechnet zusammen mit dem Höhepunkt der römischen Machtfülle?» Menschlich gesehen habe Jesus keine Chance gehabt, «den blitzblanken Rüstungen und Schwertern der Römer auch nur einen Kratzer zuzufügen».

Der Autor nennt Galiläa einen «multikulturellen Hotspot» in einer der turbulentesten Phasen der Weltgeschichte. «Es scheint, als würde sich der Teufel gerade so richtig austoben». Das Staunen über Gottes Handeln bleibt: «Genauso unfassbar wie die Tatsache, dass Gott in die Welt kommt, ist, wie er seinen Eintritt inszeniert» (195ff).

Im dritten, gut 450seitigen Teil schildert der Autor «das Aufgehen der himmlischen Saat» nach Jesu Auferstehung sowie Highlights und Wirren der Kirchengeschichte («Das Imperium schlägt zurück»). Er schliesst mit einer fundierten Einladung auf den «Jesus-Weg», einem Appell zur Nachfolge. Denn: «Der traditionelle Glaube an Jesus hat das Stahlbad des radikalen Zweifels, in das er seit über zweihundert Jahren getaucht wird, ziemlich unbeschadet überstanden.»

Bild oben: Jacopo Tintoretto, Die Kreuzigung Christi, um 1550

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