In der letzten Staffel des Podcasts «Aufwärts stolpern» über Freikirchen wurde immer wieder das Thema Gemeinde-Neugründungen angesprochen. Das widerspricht eigentlich der landeskirchlichen Logik, bemerkt in der zweiten Rückblick-Episode Co-Host Lukas Huber: «In der Landeskirche ist ja jeder Quadratkilometer der Schweiz einer Kirchgemeinde zugeordnet.» Dennoch wurden in den letzten Jahren «Fresh X» (frische Ausdrucksformen von Kirche) auch in den Landeskirchen zu einem Modebegriff.
Co-Host Anna Näf fand die Aussage des STH-Professors für Praktische Theologie Stefan Schweyer hilfreich, der in Episode 11-09 sagte, Freikirchen seien es gewohnt, trotz gesellschaftlicher Minderheitenposition ihren Glauben fröhlich zu leben. Diese Haltung diene auch in landeskirchlichen Projekten, weil diese sich gewöhnlich an ein Publikum richten, das nicht schon sehr verbunden ist mit dem christlichen Glauben.
Der Methodistenpfarrer Matthias Fankhauser berichtete über die Erfahrung seines Gemeindeverbands, dass Neugründungen heute länger brauchen, bis sie personell und finanziell selbständig sind. Lukas Huber bestätigte diese Tendenz; die Schaffhauser Kirche musste darum die Unterstützungsfrist bei kirchlichen Projekten ausdehnen.
Fankhauser beschrieb auch, an was Neugründungen scheitern: zum Beispiel an fehlenden unternehmerischem Denken. Das leuchtete der ausgebildeten Pfarrerin Anna Näf ein: «Im Theologiestudium habe ich sehr wenig bis gar nichts gelernt in Sachen unternehmerischen Fähigkeiten.»
Scheitern können Projekte auch daran, dass man zu wenig unbezahlte Mitarbeiter findet, schilderte Fankhauser. Wichtig sei bei Neugründungen auch die Einbindung in den eigenen Kirchenverband, und dass mit der Zeit sinnvolle Strukturen aufgebaut werden können, wobei diese zu Beginn zweitrangig sind.
Gemeindegründer Tom Mauerhofer beschrieb die Erfahrung, dass Neugründungen eine grössere Aussenwirkung haben als bestehende Gemeinden. Er stellte fest, dass sich 14 Jahre nach der Gründung auch seine FEG stärker an die Menschen richtet, die schon da sind. Dass sich eine neue Gemeinde stärker nach aussen orientiert, entspricht der Gemeindegründungslogik: Wenn nicht Menschen neu dazukommen, geht die Neugründung ein. In dieser gedanklichen Linie wirbt Lukas Huber dafür, in Landeskirchen neue Projekte zu starten, die sich an unkirchliche Menschen richten, um wenigstens ein bisschen der natürlichen Tendenz gegen innen entgegenzuwirken.
In Episode 11-10 berichtete Lukas Blaser, wie sie bei Globalfocus Freikirchen in einem strukturierten Seminar helfen, den Blick nach aussen wieder zu gewinnen: sich bewusst machen, wie das Umfeld der Gemeinde ist und was es braucht, um die Menschen zu erreichen.
In mehreren Gesprächen der letzten Staffel kamen weitere Vorteile von Neugründungen zur Sprache. Tom Mauerhofer berichtete, dass bei neuen Gemeinden die Leitungspositionen noch nicht verteilt sind; David Reusser erzählte, dass in den Bless-Jugendgottesdiensten das geschieht, was die jungen Menschen organisieren; so lernen sie, dass sie mit Eigeninitiative viel erreichen können.



